Versorgung von Brandwunden

Wundverbände für oberflächliche Brandwunden und Verbrennungen zweiten Grades

von: Mölnlycke Health Care, Oktober 26 2012Beiträge: Versorgung von Brandwunden

Wasiak J., Cleland H., Campbell F. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2008, Ausgabe 4. Art. Nr.: CD002106. DOI: 10.1002/14651858.CD002106.pub3.

Einleitung

  • Eine akute Brandwunde ist eine komplexe und sich weiterentwickelnde Verletzung. Umfangreiche Verbrennungen ziehen neben der lokalen Gewebeschädigung systemische Folgen nach sich.
  • Die Auswahl des Wundverbandes sollte entsprechend seiner Auswirkungen auf die Heilung erfolgen, aber auch eine einfache Anwendung und Entfernung, Verbandswechselanforderungen, Kosten und Patientenkomfort sollten berücksichtigt werden.
  • Konventionelle Wundverbände neigen dazu, an der Wundfläche anzuhaften, und die Notwendigkeit eines häufigen Verbandswechels traumatisiert die neu epithelisierten Oberflächen, wodurch die Heilung verzögert wird.
  • Silbersulfadiazin-Salbe (SSD) selbst wird auch als heilungsverzögernd angesehen, da sie eine toxische Wirkung auf die sich regenerierenden Keratinozyten hat.
  • Die Behandlung von Verbrennungen zweiten Grades zielt direkt auf eine beschleunigte Heilung ab und zurzeit steht eine Vielzahl von Wundverbänden zur Verfügung. Technische Verbesserungen und Fortschritte beim Verständnis der Wundheilung haben die Entwicklung neuer Wundverbände vorangetrieben.

Ziele

  • Durch Prüfung aller randomisierten Kontrollversuche soll festgelegt werden, ob ein bestimmter Verbandstyp eine schnelle Heilung fördert und Beschwerden und Infektionen der Patienten mit oberflächlichen Brandwunden und Verbrennungen zweiten Grades minimiert. Eine Wirtschaftlichkeitsanalyse wurde nicht gemacht.

Wesentliche Ergebnisse

  Gegenstand dieser Prüfung waren insgesamt 26 randomisierte kontrollierte Studien und die meisten waren in methodologischer Hinsicht mangelhaft. Eine Reihe von Wundverbänden schien gegenüber anderen Produkten Vorzüge zu haben. Diese Vorzüge beziehen sich auf die Dauer der Wundheilung, die Anzahl der Verbandswechsel und die Stärke der empfundenen Schmerzen.

Wundheilung

  • Die Ergebnisse legen nahe, dass Brandwunden, die mit silikonbeschichteten Hydrogel-Verbänden (Mepitel dressing - Bugmann, 1998; Gotschall, 1998), biosynthetischen Verbänden und antimikrobiellen Verbänden abgedeckt wurden, schneller heilten als solche mit SSD oder Chlorhexidin getränkte Gaze-Verbände.
  • Auch die Ergebnisse für Hydrocolloid- und Polyurethan-Verbände weisen auf eine verbesserte Heilungsrate hin, obwohl 5 Studien (Phipps, 1988; Thomas, 1995; Wright, 1993; Afilalo, 1992; Poulsen 1991) keinen statistisch signifikanten Unterscheid zwischen den operierten und den Kontrollgruppen feststellten.
  • Es gab keinen Nachweis, dass Faserverbände die Heilungsrate im Vergleich zu SSD verbessern.
  • Es gab keinen Hinweis auf einen Unterschied bezüglich der Heilungsdauer zwischen biosynthetischen Verbänden und Hydrocolloid-Verbänden.

Schmerzen

  • Es gab einige Hinweise darauf, dass die von den Patienten empfundenen Schmerzen sich bei Einsatz von OP-Verbänden im Vergleich mit SSD oder Chlorhexidin-Verbänden zu verringern schienen. Dieses Ergebnis war jedoch nicht in allen Studien statistisch signifikant, aber es war konsistent für alle OP-Verbände, ausgenommen antimikrobielle Verbände, bei denen der Unterschied nicht signifikant war.
  • Hinsichtlich des Schmerzniveaus gab es keinen signifikanten Unterschied beim direkten Vergleich zwischen biosynthetischen und Hydrocolloid-Verbänden.

Infektionsprävention

  • Wegen unbeständiger Messungen und Berichterstattung über die Ergebnisse kann der Nachweis der Wirksamkeit der verschiedenen Wundverbände für den Schutz vor einer Wundinfektion nur in Grenzen geführt werden.
  • Wenn über Infektionsraten berichtet wird, scheint es keinen signifikanten Unterschied zwischen OP-Verbänden und Vergleichsgruppen zu geben.

Häufigkeit des Verbandswechsels

  • Die Anzahl der erforderlichen Verbandswechsel schien Hydrocolloid-Verbände, silikonbeschichtete Verbände (Mepitel-Verband - Bugmann, 1998; Gotschall, 1998) und silberimprägnierte Verbände zu favorisieren. Wenn sie zum Einsatz kamen, waren weniger Verbandswechsel erforderlich.
  • Dieser Unterschied jedoch spiegelte ebenfalls die verschiedenen Vorschriften bei SSD-Gaze-Verbänden wider, die täglich gewechselt werden müssen, und OP-Verbänden, die nach Vorschrift zu wechseln sind.

Qualität der überprüften Studien

  • Es gibt einen Mangel an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien über Wundverbände für oberflächliche Brandwunden und Verbrennungen zweiten Grades. Daher müssen die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden.
  • Die enthaltenen Studien waren generell von schlechter Qualität, in vielen Fällen war die Anzahl der an der Studie beteiligten Personen gering und die Zeitspanne von den Wundheilungsdaten bis zur nachfolgenden statistischen Analyse wurde oftmals nicht so angegeben, dass die Ergebnisse von den Review-Autoren hätten reproduziert werden können.

Schlussfolgerungen

  • Eine Reihe von Verbänden scheint einige Vorzüge vor anderen Produkten bei der Behandlung von oberflächlichen Brandwunden und Verbrennungen zweiten Grades zu haben. Es gibt einige Forschungsbeweise, die die Vorzüge von Hydrocolloid-, antimikrobiellen (silberhaltigen), silikonbeschichteten Polyurethan-Folien und biosynthetischen Verbänden nachweisen.
  • Dieser Vorteil betrifft die Zeit bis zur Wundheilung, die Anzahl der Verbandswechsel und die damit verbundene Schmerzerfahrung, obwohl die Studienergebnisse mit methodologischen Mängeln behaftet sind.
  • Die Verwendung von SSD bei Brandwunden muss überdacht werden, da eine Reihe von Studien eine zeitliche Verzögerung der Wundheilung und eine höhere Anzahl von Verbandsauflagen ergaben.
  • Zur Unterscheidung zwischen den Produkten gibt es ein stichhaltiges Argument für qualitativ hochwertige Untersuchungen mit einer wohldefinierten Patientenpopulation, verbunden mit klinisch relevanten Endpunkten.
  • Die in dieser Review zusammengefassten Studien bewerteten eine Reihe von Eingriffen, Vergleichen und klinischen Endpunkten.
  • Trotz einiger möglicherweise positiver Ergebnisse ergibt sich die Evidenz weitestgehend aus Studien mit methodologischen Mängeln. Sie sind daher nur begrenzt brauchbar als Hilfe für die Klinikärzte bei der Auswahl geeigneter Behandlungsmethoden.
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