Versorgung von Brandwunden

Die Behandlung oberflächlicher bzw. nicht komplexer Verbrennungen

von: Mölnlycke Health Care, Oktober 26 2012Beiträge: Versorgung von Brandwunden

Fowler A. Nursing Times. 2003; 99(25): 49-51.   

Einleitung

  • Oberflächliche Verbrennungen und Verbrennungen zweiten Grades können zu Hause oder ambulant betreut werden. Schwerwiegendere Verbrennungen sollten in einer Spezialabteilung für Verbrennungen im Krankenhaus behandelt werden.
  • Wenn eine Verbrennung zweiten Grades nach 10 Behandlungstagen noch keine Anzeichen einer Heilung aufweist, sollte eine Überweisung zu einem Facharzt für Verbrennungen oder in die plastische Chirurgie erfolgen, da die Verletzung sich infiziert haben könnte oder tiefer ist als zunächst erwartet.

Ziele

  • Es sollen praktische Richtlinien für das Management von oberflächlichen Verbrennungen und Verbrennungen zweiten Grades bereitgestellt werden. Fortsetzung älterer Artikel über die Beurteilung und Einteilung von Verbrennungen.

Wesentliche Ergebnisse

Beurteilung

Eine umfassende Beurteilung eines Patienten mit Brandverletzungen sollte Folgendes beinhalten:

  • Allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten
  • Wichtige medizinische Vorgeschichte, z. B. Herz- oder Lungenprobleme.
  • Psychosoziale Probleme.
  • Brandverletzung – Vorgeschichte, Typ, Ursache, Tiefe und Prozentsatz.
  • Puls, Blutdruck, Temperatur, Atmung und Gewicht.
  • Bei Kindern kann eine schmerzbefreiende Narkose notwendig werden, um die Beurteilung und das Wundmanagement zu erleichtern.
  • Patienten mit Verbrennungen an den oberen Gliedmaßen könnten von einer Immobilisierung und Hochlagerung mittels einer Schlinge profitieren, wodurch Ödeme reduziert und Schmerzen gelindert werden.
  • Die Notwendigkeit einer Tetanusprophylaxe muss geprüft werden.

Überweisung in eine Spezialklinik

  • Wenn der Patient in eine Spezialklinik überwiesen wird, sollten keine topischen Salben wie Silbersulfadiazin aufgetragen werden, da sie das Aussehen der Wunde verändern. Außerdem handelt es sich dabei um ein teures Mittel zur temporären Abdeckung einer Wunde.
  • Wenn für den Transport, den Komfort des Patienten oder den Wundschutz ein zweiter Wundverband erforderlich ist, könnte mit Paraffin getränkte Gaze mit einem Wundkissen oder sogar ein Folienwickel verwendet werden.

Sofortiges Brandwundenmanagement

  • Kühlen - der erste Behandlungsschritt bei einer Brandverletzung ist, das Brennen zu beenden, und zwar mit kaltem Wasser über einen Zeitraum von mindestens 10 Minuten bis zu 20 Minuten (üblicherweise so lange, bis das brennende Gefühl nachlässt). Hierdurch werden der Bereich gekühlt, die Schmerzen verringert und die Weiterentwicklung zu einer tieferen Brandverletzung gestoppt.
  • Kaltes Wasser sollte jedoch nicht verwendet werden bei Verbrennungen im Gesicht oder durch bestimmte Chemikalien, die metallisches Natrium oder Kalium enthalten. Verwenden Sie niemals Eis oder Eiswasser, da dies die Brandverletzung noch verschlimmern kann und durch einen verringerten Blutfluss zu einer tieferen Wunde führen kann.

Behandlung eines einfachen Erythems

  • Patienten mit einfachen Erythem können Schmerzen haben und Angst haben, dass sich Haut stark abschält. Die Behandlung dieser Fälle ist so einfach wie bei einem einfachen Sonnenbrand.
  • Erhöhen Sie die orale Flüssigkeitsaufnahme des Patienten.
  • Verordnen Sie Schmerzmittel.
  • Tragen Sie ein Aloe-Vera-Gel oder eine Sonnencreme mit Aloe Vera auf. Das Aloe-Vera-Gel lindert den Schmerz und führt dem Bereich Feuchtigkeit zu. Vorsicht bei Überempfindlichkeiten gegen Konservierungsstoffe wie Parabene.
  • Ein dünner Hydrocolloidfilm oder ein Schaumverband könnten angelegt werden, um beispielsweise Reibung unter der Kleidung zu vermeiden.
  • Die Verbrennung sollte nach 48 Stunden überprüft werden, entweder telefonisch, in der Klinik oder durch einen Hausbesuch. Wenn sich Brandblasen bilden, muss der Patient erneut beurteilt werden.   
  • Patienten mit Verbrennungen zweiten Grades werden Schmerzmittel und Beruhigung benötigen; die Wunde muss mit einem Schutzverband abgedeckt werden, der jegliches Exsudat absorbieren kann.
  • Lose Hautpartikel über der Wunde können entfernt werden und die Wunde mit angewärmter,steriler Kochsalzlösung oder Wasser, das den örtlichen Infektionskontrollrichtlinien entspricht, gereinigt werden. Ein flaches oder nichtklebendes Wundkissen sollte aufgelegt werden und der Verband sollte 48 – 72 Stunden unangetastet bleiben. Die Wunde sollte abgedeckt, sauber und trocken gehalten werden.
  • Ein dünner Hydrocolloidverband kann auf wenig exsudierende Wunden aufgelegt werden; er ist sinnvoll bei Kindern mit oberflächlichen Verbrennungen. Dadurch wird die Überprüfung erleichtert, da die Wunde durch den Verband betrachtet werden kann und der Verband für 48 – 72 Stunden nicht entfernt werden muss. Der Verband ist auch wasserfest.

Blasenmanagement

  • Es gibt keinen nationalen Konsens bezüglich des Blasenmanagements. Im Falle kleiner, nichtkomplexer Verbrennungen kann man sie intakt lassen. Wenn die Blase aufplatzt, sollten die losen Hautpartikel abgeschnitten und die Wunde mit einem kaum oder nichtklebenden Verband abgedeckt werden.
  • Blasen dienen als Schutzschicht vor Infektionen, aber wenn sie größer sind oder Bewegungen behindern, kann es einfacher sein, sie einzuschneiden, zu entleeren und das restliche Exsudat aufzunehmen.

Erste Überprüfung nach 48 – 72 Stunden.

  • Der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten und die Wunde sollten nach 48 – 72 Stunden nach der Verletzung überprüft werden.
  • Die ursprüngliche Entzündungsperiode klingt ab, wenn der Zeitraum des maximalen Exsudats endet und das lokale Ödem abgeschwollen ist.
  • Bei jeder Überprüfung müssen die Schmerzen des Patienten beurteilt werden und wie er mit der Wunde zu Hause zurechtkommt.
  • Epithelisierende Wunden erfordern zur Heilung eine feuchte, warme und geschützte Umgebung.
  • Die Verbände sollten entsprechend der Größe, des Ortes und der Tiefe der Verbrennung gewählt werden.
  • Ein flacher oder nichtklebender Verband und ein zweiter Verband oder Hydrocolloidverband werden oftmals bei Brandwunden eingesetzt, da sie ein ideales, feuchtes Wundmilieu schaffen und bis zu einer Woche auf der Wunde verbleiben  können.

Management von Verbrennungen zweiten Grades

  • Kleine Verbrennungen zweiten Grades, die mit Schorf bedeckt sind, können konservativ behandelt werden, wenn der Patient für eine Hautverpflanzung nicht in Frage kommt ist oder diese ablehnt.
  • Der Patient kann ambulant mit Unterstützung der lokalen Abteilungen für Verbrennungen oder plastische Chirurgie behandelt werden oder durch Mitarbeiter der Ambulanz mit weitreichender Unterstützung der Abteilungen für Verbrennungen oder plastische Chirurgie.
  • Ziel ist es, die Wunde durch Fördern der natürlichen Autolyse oder Debridement zu rehydrieren.
  • Je nach Aussehen der Wunde und Behandlungsziel, dem Zustand des Patienten und der bevorzugten Behandlung steht eine Auswahl an Hydrogelen und antibakteriellen Mitteln zur Verfügung.

Mobilität und Bewegung

  • Die Verbände der Patienten sollten sie nicht in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigen.
  • Bei Verbrennungen an der Hand kann diese in eine Plastiktasche gesteckt wird, mit der alle Bewegungen möglich sind und die regelmäßige Inspektionen zulässt.
  • Damit die Tasche nicht an der Wunde klebt, können 5 ml Silbersulfadiazin-Salbe oder Silikonöl in die Tasche gegeben werden, das wie ein Schmiermittel wirkt. Die Tasche sollte zweimal täglich gewechselt werden.

Vernarbungen

  • Gute Infektionskontrolle, richtige Ernährung und Wundmanagement fördern die Heilung. Wenn Schorf an der Wundstelle vorhanden ist, sollte dieser an Ort und Stelle gelassen werden, da das Entfernen zu sichtbarer Narbenbildung führen könnte. Falls erforderlich, könnte ein Hydrogel verwendet werden, um die Bereiche zu rehydrieren.
  • Beratung und Information helfen, die Befürchtungen der Patienten zu zerstreuen, wie beispielsweise ein Trauma zu vermeiden ist und dass die Patienten darauf verzichten sollten, die Narbe der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen, da sie viel schneller mit Sonnenbrand reagiert.
  • Massieren Sie den Bereich mit einer Hautcreme, um die Narbe zu befeuchten; vermeiden Sie Reibungen oder Abrasionen. Trockene, schuppige Haut kann eher jucken und störanfällig werden. Patienten können 4 – 6 Wochen nach der Heilung überprüft werden, um die Narbe zu untersuchen und Befürchtungen zu zerstreuen.

Nachuntersuchung und Nachsorge

  • Patienten können zu jedem Zeitpunkt in eine Abteilung für Verbrennungen überwiesen werden, wenn eine weitere Beurteilung für das Narbenmanagement, zur psychologischen oder funktionellen Unterstützung erforderlich ist.
  • Patienten können Anweisungen bezüglich des Wundmanagements vergessen, wenn sie Schmerzen haben oder wegen einer traumatischen Verletzung durcheinander sind. Zum Wundmanagement, zu Wundverbänden und Narbenbildung sollten wichtige Informationen bereitgestellt werden sowie eine Beratung, wo die Patienten weitergehende Unterstützung erhalten und was sie im Falle von Nebenwirkungen tun können.
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